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Wowereit überreicht Berliner Landesorden 2011

Bild zeigt:

Klaus Wowereit mit den Ordensträgern. Bild: Landesarchiv
Meldung vom 01.10.2011

In guter Tradition ehrte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, am 1. Oktober 2011 im Roten Rathaus Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Beispielhaftes geleistet haben. Menschen, die Berlin vorangebracht haben, die den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gestärkt und zum guten Ruf Berlins in der Welt beigetragen haben, mit dem Verdienstorden des Landes Berlin.

Ausgezeichnet wurden: Jutta Allmendinger, Marianne Birthler, Gülsen Aktas, Georg Baur, Professorin Karin Büttner-Janz, Axel Ekkernkamp, Dieter Glietsch, Professorin Erika Gromnica-Ihle, Bob Hanning, Dieter Kosslick, Maren Otto, Regina Saeger, Dr. Gary Smith, Ulla Unseld-Berkéwicz.

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potseblog vom 18. März 2011

„Ich habe Zuhause ein lieber Mann“

Von HU-Gastbloggerin Irina Tkachenko

„Wer mich besonders beeinflusst hat? Viele Menschen würden an dieser Stelle berühmte Namen nennen“, – sagt Gülsen Aktas, Leiterin des Nachbarschaftstreffpunkts HUZUR. “Aber mich haben meine beiden Großväter geprägt. Ich habe sie sehr dafür geliebt, wie sie mich, uns, geliebt haben, es war so innig. Diese Liebe in einer elternlosen Zeit, in einer Zeit der Armut, das hat mich am Leben erhalten“.

Wir treffen uns zwei Stunden vor der Öffnungszeit in den Räumen des Vereins in der Bülowstraße. Als ich ankomme, sitzt Gülsen Aktas schon an ihrem Schreibtisch. Ich sehe eine lebhafte Frau mit einem wunderbar grün leuchtenden Schal. Sie lehnt sich an die Wand und erzählt, dass HUZUR schon vor sechs Jahren mit Hilfe von Lotteriemitteln und in Kooperation zwischen Esperanto – Aufsuchende Hilfen e.V. und dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg entstand. Da waren sie noch in der Katzlerstraße.

„Bis vor einem Jahr hatten wir noch sehr kleine Räumlichkeiten, da waren wir wirklich sehr unter uns, es war wie das verlängerte Wohnzimmer für die älteren Frauen“.

Ärzte, Krankenhäuser, Kliniken schickten die Leute zu HUZUR damit sie nicht alleine sind. Auch Nachbarn aus der näheren Umgebung kamen, um dort Zeit zu verbringen. Nach dem Umzug in die größeren Räume wurde das Angebot entsprechend erweitert und – darauf ist Gülsen Aktas ganz besonders stolz – HUZUR ist jetzt echt multikulturell. Es gibt Spanisch- und Türkischkurse, Flamenco-Abende…

Die Tage verlaufen im HUZUR strukturiert, um 9 Uhr morgens kommen die ersten Mitarbeiter. Es kommen einige Nachbarn, es wird Kaffee gekocht und geredet. Allerdings muss man diese Gespräche auch ein bisschen kanalisieren, damit es sich nicht in eine politisch gefährliche Richtung entwickelt.

„Da sind zwei ältere türkische Herren, sie erinnern mich ein bisschen an Ernie und Bert. Sie müssen jeden Tag ihre politischen Debatten führen, schimpfen immer über die Frauen mit Kopftuch” – Gülsen Aktas schmunzelt – “das sind Kemalisten“.

Die SeniorInnen machen viele Ausflüge. Da waren, zum Beispiel, die Exkursion nach  Sachsenhausen, bei der die Frauen in Tränen ausgebrochen sind oder auch das Staunen im Jüdischen Museum, als es um die Parallelen oder gar Ähnlichkeiten zu der jüdischen Religion ging.

Es gab auch einen Ausflug zum Liebermann-Museum, begleitet von einem Filmteam. Als einer der Filmleute eine der Teilnehmerinnen fragte, ob sie den wisse, wer Liebermann sei, antwortete sie  prompt:  „Ja, ich habe Zuhause ein lieber Mann“.

Den Kampf gegen die Einsamkeit bezeichnet Gülsen Aktas als die größte Herausforderung vor der HUZUR steht. „Man muss Angebote bringen, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Aber wir leben hier und wir erleben, wie sie einsam sind und alleine sterben. Und erst nach ihrem Tod sehen wir dann auf einmal Verwandte“.

Nach Misserfolgen gefragt, sagt Gülsen Aktas, dass es in Berlin einfach zu wenige Projekte gibt, die sich für ältere Menschen einsetzen, ob nun mit Migrationshintergrund oder ohne. Sie bekommen einfach keine Regelfinanzierung.

„Die alten Menschen werden von der Gesellschaft einfach als Restposten behandelt, abgeschoben. Natürlich lesen wir immer wieder in Zeitungen oder wir sehen es im Fernsehen, dass jemand Tage-, Monatelang tot in seiner Wohnung lag und nicht gefunden wurde, aber wenn es uns hier passiert, dann ist es natürlich hart“.

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